Der Amateur-Fußball hängt in der Luft…

In unserer letzten Hörnle-News-Ausgabe vor annähernd einem Jahr berichteten die beiden Trainer Mahmoud und Romano noch über eine nicht ganz zufriedenstellende Situation beider Mannschaften. Die Erste stand seinerseits auf einem Abstiegsplatz und die Zweite blieb unter ihren Möglichkeiten!

Seither ist wahrlich viel geschehen und die Ereignisse überschlugen sich. Es fällt mir auch zunehmend schwer, die chronologische Abfolge richtig einzuhalten.

Beginnen möchte ich direkt ein paar Tage nach Erscheinen der letzten Ausgabe. Die sicher geglaubte Vertragsverlängerung mit unserem Trainer und liebgewonnenen Freund Karim wurde trotz dem Auftaktsieg gegen die TSG Heilbronn zu Beginn der Rückrunde seitens Karim nicht bestätigt! Die immer schwerer fallende Erreichbarkeit des Teams brachte ihn schweren Herzens zu dem Entschluss, sein Engagement in Dürrenzimmern nach drei sehr erfolgreichen Jahren zu beenden. 

Wiederum nur ein paar Tage später dann der „Anfang vom Ende“. Am zweiten Wochenende im März hieß es zum ersten Mal Lockdown und alles, unter anderem auch der Fußball, stand still. Wie lange, das wusste kein Mensch. So erlebten wir das mittlerweile Selbstverständliche. Woche für Woche wurde verschärft und verlängert und an Fußball war nicht zu denken. Kein Training, kein Spiel, keine Kameradschaft – kein gar nix! So ging der März rum, so ging der April rum so ging der Mai rum – und keiner wusste, wie es weitergeht. Die Verantwortlichen unseres Landesverbands kamen nicht in die Pötte und gaben nur Wischiwaschi von sich.

Während die ersten Landesverbände in Deutschland die begonnene Saison ohne Wertung annullierten, suchten die Oberen in Stuttgart immer noch nach dem Strohhalm, der eine Wertung in irgendeiner Art und Weise rechtfertigen könnte. Zum Glück der meisten Beteiligten entschied sich der WFV gemeinsam mit den Südbadenern und den Badenern dazu, auch im Ländle die halbfertige Runde zu annullieren. Mit einer Quotienten-Regelung wurde dann in jeder Staffel ein Aufsteiger ausgerechnet. Das heißt, dass zum Zeitpunkt des Abbruchs die Mannschaften einer Staffel eine unterschiedliche Anzahl von Spielen hatten und es kein klares Tabellenbild gab. So griff man in Stuttgart zur höheren Mathematik und teilte bei jeder einzelnen Mannschaft die bis dato erreichten Punkte durch die jeweilige Anzahl der Spiele. Das Ergebnis war dann unser Quotient, der von 2,… bis 0,… (Durchschnitt erzielter Punkte/Spiel) betrug. So ergab sich eine zu verwertende Tabelle, nach dem es EINEN Aufsteiger gab.
Wer sich nicht mehr erinnert – das war Türkspor Neckarsulm und bei der Zweiten FSV Schwaigern II. Absteiger gab es bei dieser Sonderregelung keine. Zu unserem Glück, denn wir wären bei der Musik dabei gewesen. Also waren alle Glücklich – STOPP, nein nicht alle! Es gab da in Württemberg, Baden und Südbaden noch 144 Zweitplatzierte, die im Normalfall in der Relegation noch um den Aufstieg hätten spielen dürfen. Doch das wurde aufgrund der Situation verwehrt. So lag nun der Fokus voll und ganz auf die neue Runde ab August/September in einer Zeit, in der wir vermeintlich alles überstanden haben.

In dieser Zeit musste ich dann also auch noch nach einem neuen Trainer Ausschau halten und war trotz aller Beschränkungen schnell fündig geworden. Mit Steffen Rathgeb stellte sich kurz vor Ostern ein im Unterland eher unbekanntes Gesicht bei mir vor. Schnell stimmte bereits beim ersten persönlichen Treffen zwischen uns die sogenannte Chemie. Der Mittvierziger, vor wenigen Jahren von der Alb in die Region gezogen, weißt hervorragende Referenzen unter anderem mit einer DFB-Lizenz auf zeigt mit dem Umgang und der fußballerischen Weiterentwicklung von jungen Spielern Erfahrung auf, was bei unserem äußerst niederen Durchschnittsalter in den Mannschaften kein Nachteil sein soll.

Doch nun zurück zum chronologischen Ablauf. Im Mai 20 hieß es dann, dass in wenigen Wochen, also ab Juni, in kleinen Gruppen von maximal fünf Spielern auf einer vorgeschriebenen Fläche von fast einem halben Sportplatz, trainiert werden darf. Naja – wir sprechen hier von Fußball und das spielt Mann in der Regel mit ELF gegen ELF! ABER, wir waren ja schon froh, dass wir überhaupt durften. Doch nur mit sehr, sehr großem Aufwand stand eher das fremdgewordene Gesellschaftliche als das Sportliche im Vordergrund. Die persönliche, mittlerweile routinierte Hygiene, desinfizierte Bälle, Maske in der Kabine und zum Weg auf das Spielfeld legitimierten zumindest das Bier mit Abstand nach der Bewegungstherapie. All diese Maßnahmen und Anstrengungen sowie die Disziplin in unserem täglichen Leben führten dazu, dass wir im August/September nach annähernd 5 Monaten wieder Fußball unter Wettkampfbedingungen spielen durften. Die Turniere um den Stadt-, Zabergäu- und unserem geliebten Heidepokal vielen zwar zwischenzeitlich aus, doch eine Saison 20/21 voller Zuversicht stand vor der Türe. Vorab versuchte unser Verband in Stuttgart sich noch rechtlich für Saisonabbrüche in der Zukunft abzusichern und beschloss auf einem außerordentlichen digitalen Verbandstag drei Möglichkeiten, die bei Abbrüchen wie 19/20 auf jeden Fall eine Wertung mit Auf- und Abstieg zulassen.

1. Option I – Playoff/Play down

Gehen in einer Saison wegen ausgefallener Spiele die Spieltage aus, kann die Vorrunde fertig gespielt werden und die Rückrunde spielen dann nur die obere Tabellenhälfte um einen Aufstieg und die untere Tabellenhälfte um einen Abstieg. Das würde die Spieltage um 25% reduzieren und hätte meines Erachtens sogar einen gewissen Charme.

2. Option II – Einfache Runde mit Wertung

Lässt die Situation nur eine Vorrunde zu, so kann diese mit Auf- und Abstieg gewertet werden. Meines Erachtens keine gute Lösung, gegen die ich bereits im Sommer 2020 war.

3. Option III – Das Ding mit den Quotienten

Soll dazu dienen, eigentlich zu jedem Zeitpunkt mit der Rechnerei eine Tabelle zu gestalten, die mit Auf- und Abstieg gewertet werden kann. Für mich ein absolutes NO-GO!

So starteten wir Anfang September in eine verheißungsvolle Saison. Erstmals in der 51-jährigen Geschichte des TGV mit drei Mannschaften in Konkurrenz. Da wir im Sommer erneut neun Spieler aus der eigenen Jugend bei den Aktiven begrüßen durften, können wir aktuell aus eigener und alleiniger Kraft auf einen Kader von aktuell über 50 Spielern zurückgreifen.
Ein Umstand, der der jahrelangen hervorragenden Jugendarbeit zu verdanken ist und der mich annähernd so stolz wie eine Meisterschaft oder ein Aufstieg macht.

Aber nicht nur Quantität, sondern auch Qualität verstärken das Team, so sah man unter der Leitung unseres neuen Trainers Steffen bereits zu Beginn der neuen Runde in den ersten Spielen einen großartigen, frischen und schnellen Fußball, der Woche für Woche zahlreiche begeisterte Zuschauer auf den Platz unter dem Hörnle lockte. Es war einfach schön einmal wieder so etwas wie Normalität auf dem Sportplatz spüren zu dürfen.

Selbstverständlich war es jetzt nicht so, dass wir mit unserer neugewonnenen Qualität in der Bezirksliga um den Aufstieg spielen, aber die ersten Ausrufezeichen wie ein 4:1 in Lauffen lassen doch schon aufhorchen. Auch die Zweite mit Pasquale partizipiert von den neuen Möglichkeiten, spielt im vorderen Drittel mit und ein Punkt gegen den Tabellenführer scheint mittlerweile auch schon mal zu wenig. Nach dieser anfänglichen Euphorie konnte vor allem die Erste die Leistungen nicht ganz konservieren. Ich frage mich selbst, warum wir unseren ­offensiven Elan etwas verlassen haben und den Gegner mit einer defensiveren Einstellung mehr Spielanteile überlassen, die dann clever genug sind, dies auszunutzen.

Leider mussten jedoch bereits von Beginn an immer wieder in den Ligen Spiele abgesagt werden, denn sobald in einem Team mit Umfeld nur ein positiver Test durchgeführt wurde, musste das ganze Team für zwei Wochen in Quarantäne und die Spiele fielen aus. Bis Ende Oktober betrieben wir also so ein Stückwerk und es war unserer Truppe vorbehalten am
28. Oktober mit einer solchen Nachholbegegnung bei FC Union Heilbronn mit einer beein-druckenden Vorstellung und einer etwas unglücklichen 1:0 Niederlage das letzte Fußballspiel vor dem erneuten Lockdown zu bestreiten.

Und jetzt? – Jetzt sitzen wir erneut zuhause, wieder ganz ohne Perspektive, halten uns mehr oder weniger fit und wissen nicht, wie und wann es weitergeht. Wir schränken uns ein und geben fast alles, dass wir irgendwann mal wieder spielen dürfen. Wir laufen jedoch Gefahr, dass dann unsere Akteure vermutlich mehr einen Marathon laufen können als mit Spielwitz und Elan über ein sattes Grün zu schweben.

Sicherlich frägt der Betrachter nun nach unserem Verband, ja der in Stuttgart. Ich möchte nicht unbedingt in deren Haut stecken und die Leute machen sich wirklich, zum Teil auch unnötige Gedanken, aber sie machen dasselbe wie im letzten Jahr, die harren der Dinge und warten ab, ohne uns Vereinen eine klare Linie und Planungssicherheit vorzugeben. Eine komplette Runde fertig zu spielen ist bereits jetzt unrealisierbar. Aber man lässt sich in Stuttgart alle weiteren Optionen offen und seit letzter Woche gibt es mit dem 07. Mai 2021 ein Datum, das als sogenannte Deadline gewertet werden darf. Sollte bis dahin kein Spielbetrieb aufgenommen werden können, wird komplett ohne Wertung annulliert. Aber was geschieht bis dahin? Wie sollen wir bis dahin planen? Müssen wir eine einfache Runde spielen? Versuchen wir vielleicht doch das Ding mit der Auf- und Abstiegsrunde? Keiner kann oder möchte uns das sagen. Sprich genauso wie in der Politik!

Für einen Ehrenamtlichen wie für mich wird es auch immer schwieriger und undurchsichtiger, denn auf einmal kommt eine Verlängerung der Runde in den Juli hinein nicht mehr infrage, da andere Regularien im Bezug auf Wechselfristen den Weg versperren. Also auch hier wie in der Politik erst den zweiten vor dem ersten Schritt.

Also harren wir gezwungenermaßen der Dinge, die da kommen. Planen können wir nicht, aber wir sind guter Dinge und vor allem gedanklich darauf vorbereitet, dass wir nach Wiederaufnahme eines geregelten Trainings- und Spielbetriebs den Akteuren und Mitgliedern beim TGV unser gewohntes Angebot und den Erfolg bieten können und wir noch stärker wieder aus dieser bescheidenen Situation zurückkehren.

Somit kann ich nun dem interessierten Leser nur noch beste Gesundheit wünschen.

Sportliche Grüße,
Euer Alex

Was war sonst noch bei den Aktiven? Trotz Fußballverbot weiterhin sportlich aktiv.

So haben unsere Trainer während des aktuellen Trainingsverbots noch vor Weihnachten im letzten Jahr eine freiwillige, zeitlich begrenzte Lauf-Challenge in zwei Blöcken bis zum 19. Februar 2021 ausgegeben. Die recht beachtlichen Daten und Fakten hierzu sind der aktuellen Tabelle auf unserer Homepage (https://www.tgv-duerrenzimmern.de/fussball) zu entnehmen.

Somit wurde das unausgesprochene Ziel durch die Gesamtlaufleistung (1271,37 km) bis nach Malle Arenal (1172,35 km Luftlinie) zu kommen um 99,02 Kilometer übertroffen. Leider konnte bis heute noch kein Sponsor für die nun anstehende Reise für die Läufer gefunden werden. Interessierte können sich jedoch jederzeit gerne beim Verfasser des Berichts melden.

Doch nun heißt es trotzdem, dass hoffentlich bald der Fußballbetrieb wieder möglich ist, sonst müssen wir in Dürrenzimmern noch das Fußballspielen sein lassen und zukünftig nur noch Erfolge beim Marathon feiern.

Darüber hinaus hat sich manch Amateur in finanzielle Unkosten gestürzt und sich privat einen recht beachtlichen Fitness-Bereich eingerichtet. Oder auch Hand angelegt und mit handwerklichem Geschick selbst Geräte gebaut und in einer Garage im Unterdorf den „Dyli-Gym“ eingerichtet, der sich großer Beliebtheit erfreut. Natürlich regelkonform.

Auch kam der Humor über die vielen Monate nicht zu kurz. So nahmen wir im Frühjahr 2020 mit einer sehr gelungenen Ausführung an der Klopapier-Challenge teil. Hier wurde der Ball bei fußballspezifischen Übung durch eine Klopapier-Rolle ersetz und der heimische Garten wurde und wird als Trainingsfläche genutzt. 

In mehreren weiteren Challenges wurde dann an die dritte Halbzeit gedacht und so manche Trinkaufgabe wurde in gewohnter Manier bravourös gemeistert.

Euer Alex

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